So leicht
… lassen sie mich nicht raus. Auch wenn es nun schon fast drei Wochen her ist, dass ich Namibia verlassen habe, hier noch eine kleine Anekdote zum Abschluss. Wer in Namibia als Ausländer arbeiten will, braucht dafür natürlich eine Arbeitserlaubnis. Die gibt es als Work Permit oder als Work Visa. Das Permit wird längerfristig erteilt, das Visa immer nur für kurze Zeit wie etwa drei Monate. Eigentlich hatte ich mich mittels einer Agentur um ein Permit bemüht, aber sobald die Agentur spitz bekam, dass ich eh nur für ein Jahr da bin, versackte dieser Antrag angeblich in den Mühlen des Innenministeriums. Fortan bekam ich alle drei Monate mein Visa ausgestellt. Das letzte endete Anfang April. Im Grunde hätte ich den einen verbleibenen Monat illegal im Land bleiben können, aber ich wollte nicht riskieren, einen fetten Stempel im Pass zu erhalten, dass ich nie wieder einreisen darf. Dafür ist das Land dann doch zu schön. Also bemühte ich mich kurzfristig um ein weiteres Visa bis Anfang Oktober. Kurz gesagt: Das hat nicht geklappt. Ich stand also Montag in der Visa-Stelle und wollte Dienstag das Land verlassen. Neben mir Jacque, dessen Pass sogar noch einbehalten worden war. Meinen hatte ich immerhin. Einen losen Haufen Blätter durchforstete ich nach der Anerkennung meines Visa. Diese Blätter bzw. Anträge waren von jedem einzusehen, man hätte sich also einen Spaß draus machen können zu gucken, wer alles so ein Visa beantragt hat. Aber die Zeit war knapp, also wühlte ich schnell. Und fand tatsächlich ein Schreiben, welches mir das Recht auf ein weiteres Visa zugestand, allerdings ohne dieses Visa nun endgültig im Pass zu haben. Mittlerweile verzweifelte Jac am Schalter, denn die Dame dort erklärte ihm, dass sein Pass nicht da sein könne, weil er kein Schreiben habe, das dies bestätigte. Kurz: Sie haben keine Empfangsbestätigung? Dann haben wir auch nicht den Pass. Schöne Logik. Ich fragte sie, ob sich der Pass nun in Luft aufgelöst habe, denn wir hätten ihn auch nicht. Okay, das war patzig. Ich versuchte es moderat: Wir hätten da ja nun offensichtlich ein Problem, wir hätten den Pass nicht und sie auch nicht. Was sie denn jetzt nun vorschlagen würde? Beleidigtes, arrogantes Lippenschürzen. Von der Frau war keine Hilfe zu erwarten. Erst recht nicht, als ich sie fragte, wie ich denn nun zu meinem Visastempel komme. Ich hätte zu zahlen, sei die Auskunft, dann käme ich mit der Quittung zu ihr und dann würde sie mir einen Wisch ausstellen. Der Wisch würde dann eine Woche im Ministerium rumliegen und dann bekäme ich das endgültige Visapapier, mit dem ich dann einen Stempel bekommen könnte. (Das sind natürlich meine Formulierungen.) Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich bereits zwei Wochen lang telefonisch versucht hatte, meine zuständige Sachbearbeiterin zu erreichen, die zu keiner Tageszeit ans Telefon ging und auch offensichtlich keine Kollegen hatte, denn selbst wenn ich mich von der Zentrale durchstellen ließ, ging niemand ans Telefon. Zwei Wochen lang, zu allen möglichen Zeiten, an allen Werktagen. Irgendwann rutschte mir bei der Zentrale raus, ob sie sicher sei, dass dort Menschen arbeiten würden. Wie auch immer, zurück in die Schalterhalle im Ministerium. Jacque hatte mittlerweile doch noch eine Empfangsbestätigung von dem Typen bekommen, der unsere Anträge vor Wochen abgegeben hatte. Das Problem war also erledigt. Jetzt noch mein Visa. Wir redeten auf die Frau am Schalter ein, dass hier ein Notfall sei und wir hätten uns ja bemüht, das vorher zu klären, aber die Kollegen in den Amtsstuben würden nun mal leider nicht die Telefone bedienen können. Etc. pp. Die Frau am Schalter samt ihrer Kollegin zeigten sich sowas von arrogant, unbeteiligt und nicht hilfsbereit, dass offensichtlich wurde, warum wir nicht weiterkamen: Wir hatten die falsche Hautfarbe. Ich war kurz davor, sie zu fragen, wofür ihre Leute jahrzehntelang im Freiheitskampf gegen das Apartheidsregime gestorben seien, wenn sie jetzt mit mir hier die gleiche Diskriminierungsnummer durchzöge. Ich habe es mir verkniffen. Jedenfalls haben wir in der ganzen Halle so ein riesiges Theater gemacht und Leute gescheucht, dass irgendwann eine Verantwortliche aus den höheren Etagen runterkam, meinen Antrag bearbeitete und mir anderthalb Stunden später der Visa-Bescheid ausgehändigte wurde. Das war leider zum Abschluss noch mal so ein Erlebnis, aufgrunddessen ich nachvollziehen kann, weshalb sich viele weiße Namibianer nun ihrerseits diskriminiert fühlen.