So leicht

Bloged in Allgemein von Magdalena Samstag Oktober 18, 2008

… lassen sie mich nicht raus. Auch wenn es nun schon fast drei Wochen her ist, dass ich Namibia verlassen habe, hier noch eine kleine Anekdote zum Abschluss. Wer in Namibia als Ausländer arbeiten will, braucht dafür natürlich eine Arbeitserlaubnis. Die gibt es als Work Permit oder als Work Visa. Das Permit wird längerfristig erteilt, das Visa immer nur für kurze Zeit wie etwa drei Monate. Eigentlich hatte ich mich mittels einer Agentur um ein Permit bemüht, aber sobald die Agentur spitz bekam, dass ich eh nur für ein Jahr da bin, versackte dieser Antrag angeblich in den Mühlen des Innenministeriums. Fortan bekam ich alle drei Monate mein Visa ausgestellt. Das letzte endete Anfang April. Im Grunde hätte ich den einen verbleibenen Monat illegal im Land bleiben können, aber ich wollte nicht riskieren, einen fetten Stempel im Pass zu erhalten, dass ich nie wieder einreisen darf. Dafür ist das Land dann doch zu schön. Also bemühte ich mich kurzfristig um ein weiteres Visa bis Anfang Oktober. Kurz gesagt: Das hat nicht geklappt. Ich stand also Montag in der Visa-Stelle und wollte Dienstag das Land verlassen. Neben mir Jacque, dessen Pass sogar noch einbehalten worden war. Meinen hatte ich immerhin. Einen losen Haufen Blätter durchforstete ich nach der Anerkennung meines Visa. Diese Blätter bzw. Anträge waren von jedem einzusehen, man hätte sich also einen Spaß draus machen können zu gucken, wer alles so ein Visa beantragt hat. Aber die Zeit war knapp, also wühlte ich schnell. Und fand tatsächlich ein Schreiben, welches mir das Recht auf ein weiteres Visa zugestand, allerdings ohne dieses Visa nun endgültig im Pass zu haben. Mittlerweile verzweifelte Jac am Schalter, denn die Dame dort erklärte ihm, dass sein Pass nicht da sein könne, weil er kein Schreiben habe, das dies bestätigte. Kurz: Sie haben keine Empfangsbestätigung? Dann haben wir auch nicht den Pass. Schöne Logik. Ich fragte sie, ob sich der Pass nun in Luft aufgelöst habe, denn wir hätten ihn auch nicht. Okay, das war patzig. Ich versuchte es moderat: Wir hätten da ja nun offensichtlich ein Problem, wir hätten den Pass nicht und sie auch nicht. Was sie denn jetzt nun vorschlagen würde? Beleidigtes, arrogantes Lippenschürzen. Von der Frau war keine Hilfe zu erwarten. Erst recht nicht, als ich sie fragte, wie ich denn nun zu meinem Visastempel komme. Ich hätte zu zahlen, sei die Auskunft, dann käme ich mit der Quittung zu ihr und dann würde sie mir einen Wisch ausstellen. Der Wisch würde dann eine Woche im Ministerium rumliegen und dann bekäme ich das endgültige Visapapier, mit dem ich dann einen Stempel bekommen könnte. (Das sind natürlich meine Formulierungen.) Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich bereits zwei Wochen lang telefonisch versucht hatte, meine zuständige Sachbearbeiterin zu erreichen, die zu keiner Tageszeit ans Telefon ging und auch offensichtlich keine Kollegen hatte, denn selbst wenn ich mich von der Zentrale durchstellen ließ, ging niemand ans Telefon. Zwei Wochen lang, zu allen möglichen Zeiten, an allen Werktagen. Irgendwann rutschte mir bei der Zentrale raus, ob sie sicher sei, dass dort Menschen arbeiten würden. Wie auch immer, zurück in die Schalterhalle im Ministerium. Jacque hatte mittlerweile doch noch eine Empfangsbestätigung von dem Typen bekommen, der unsere Anträge vor Wochen abgegeben hatte. Das Problem war also erledigt. Jetzt noch mein Visa. Wir redeten auf die Frau am Schalter ein, dass hier ein Notfall sei und wir hätten uns ja bemüht, das vorher zu klären, aber die Kollegen in den Amtsstuben würden nun mal leider nicht die Telefone bedienen können. Etc. pp. Die Frau am Schalter samt ihrer Kollegin zeigten sich sowas von arrogant, unbeteiligt und nicht hilfsbereit, dass offensichtlich wurde, warum wir nicht weiterkamen: Wir hatten die falsche Hautfarbe. Ich war kurz davor, sie zu fragen, wofür ihre Leute jahrzehntelang im Freiheitskampf gegen das Apartheidsregime gestorben seien, wenn sie jetzt mit mir hier die gleiche Diskriminierungsnummer durchzöge. Ich habe es mir verkniffen. Jedenfalls haben wir in der ganzen Halle so ein riesiges Theater gemacht und Leute gescheucht, dass irgendwann eine Verantwortliche aus den höheren Etagen runterkam, meinen Antrag bearbeitete und mir anderthalb Stunden später der Visa-Bescheid ausgehändigte wurde. Das war leider zum Abschluss noch mal so ein Erlebnis, aufgrunddessen ich nachvollziehen kann, weshalb sich viele weiße Namibianer nun ihrerseits diskriminiert fühlen.

Das wars

Bloged in Allgemein von Magdalena Samstag September 27, 2008

Heute ist mein letzter Abend. Gäste und Kollegen sitzen unten auf der Aussichtsterrasse, schlemmen ihr Dessert und bewundern die große Herde Oryx, die am Wasserloch trinkt. Den ganzen Tag über habe ich gepackt, Sachen zusammengesucht aus allen Ecken und Enden der Lodge. Die letzten bürokratischen Sachen erledigt. Fotografiert - noch nicht fertig. Oft wurde ich von Gästen gefragt: “Ach - Sie gehen zurück? Kann man das?” Ja, das kann man. Man kann es, wenn man mit seinem Leben in Deutschland, wenn man ehrlich ist zu sich selbst, doch sehr zufrieden war. Wenn das Ausland nur eine Chance war, sich und andere Menschen besser kennenzulernen und das Leben zu erfahren. Wenn man es doch genießt, den Bäcker um die Ecke und das Kino in der Nähe zu haben. Freunde zu sehen und nicht nur zu lesen. Trotz der Hektik, Lautstärke und Enge in Deutschland. Dann muss man die Natur halt ein bisschen suchen. Augen aufhalten hilft viel.

Dem Ende

Bloged in Allgemein von Magdalena Dienstag September 16, 2008

… entgegen geht meine Zeit hier in Namibia. Immer mehr werde ich von einer Abschiedsstimmung ergriffen, denke: Das letzte mal jenes tun, das letzte mal das und das sehen. Noch zwei Wochen auf der Lodge, dann noch eine Woche Urlaub, da bleibt nicht mehr viel Zeit. Was noch zu erledigen ist: Zebrafell kaufen, Mitbringsel kaufen, den Nachbarn Auf Wiedersehen sagen, ein Mal alleine in den Etosha Park fahren, ein Mal bei uns in die Berge wandern, noch ein Mal den Wanderweg gehen. Eigentlich wollte ich auch einer Geier-Fütterung zusehen, aber die kostet ca. 100 Euro. Das muss ich mir noch überlegen. Und es ist ja nicht so, als müsse ich hier nicht mehr arbeiten. Uff uff, das wird knapp. Aber bei all dem Stress kommt wenigstens kein Abschmiedsschmerz auf. Und damit ich erst gar nicht dran denke, hör ich jetzt auf. Tschö.

Doppeldecker

Bloged in Allgemein von Magdalena Sonntag August 31, 2008

Ich selbst habe den Gästen immer stolz von unserer “Anna” erzählt, unserem knapp 50 Jahre alten Flugzeug-Oldtimer. Die “Anna” ist eine Antonov, zweite Baureihe, ein Doppeldecker. Mit weit ausladenden Flügeln steht sie im Hangar und wartet darauf, dass sie in die Lüfte steigen darf. Das wiederum passierte bislang zwei Mal während meiner Zeit hier, beim letzten Mal am Dienstag war ich mit dabei. So eine Gelegenheit kann man sich nicht entgehen lassen, auch wenn alle anderen Flüge in unseren Flugzeugen mir nicht gerade gut getan haben (man lese über das Segelfliegen nach). Jedenfalls machten sich Thomas, Jacque und ich auf den Weg, zusammen mit ein paar anderen Angestellten, die mitwollten und durften. Einige von ihnen sind zuvor noch nie geflogen und waren aufgeregt wie die Kinder. Wir schieben das gute Stück auf die Startbahn, doch den ersten Flug machen Thomas und Jacque noch alleine - als verantwortungsvolle Flieger stürzen so nur zwei statt zehn Leute ab. Nach einigem Röcheln, Spucken und Husten hebt die “Anna” ab und dreht ein paar Runden über der Farm. Dann werden wir Passagiere aufgenommen. Das Kreischen, Lachen und Quieken der Mädels übertönt sogar fast den ohrenbetäubenden Lärm der Motoren. Erschrocken reißen Flugneulinge die Augen auf, als sie ihr Land von oben sehen. Aber sie sind begeistert. Ich steige nach vorn in das mehr als enge Cockpit, um wie wild zu fotografieren, die Landschaft, die Instrumente, die Piloten. Irgendwann habe ich genug und lasse die anderen auch mal auf die Position. Ein Blick auf die Mädels zeigt mir, dass nicht alles eitel Freude ist: Zwei haben Schweiß auf der Stirn und - tja, blass sind sie natürlich nicht, aber sie wären es. Das erinnert mich daran, dass mir in kleineren Fliegern auch schlecht wird. Kaum war ich bei diesem Gedanken angelangt, fängt mein Magen an zu rebellieren. Erst reiche ich Luldi und Ndili eine Tüte, dann genehmige ich mir selbst eine. Keine drei Minuten, nachdem ich aus dem Cockpit raus bin, in dem es mir noch blendend ging, fängt Clive an, mich mit dem Handy zu filmen. Sagen wir es auf gut Deutsch: Unsere Leute haben bestimmt noch nie eine weiße Frau kotzen sehen und sie haben sich blendend amüsiert. Großzügig, wie ich bin, bestehe ich nicht auf dem Löschen der Aufnahmen. Hoffentlich bereue ich das nicht, wenn das Internet Einzug gehalten hat in den Hütten der Kraals.

Überall das Gleiche

Bloged in Allgemein von Magdalena Donnerstag August 7, 2008

Morgens der Anruf, wir möchten doch bitte eines unserer abgeschlossenen Farmtore öffnen, damit die Telekomtechniker durchkommen. Diese Techniker versuchen seit Wochen, das Telefon am Farmhaus (6 km entfernt) zu reparieren. Also schicken wir jemanden los, der das Tor öffnet. Eine Stunde später der nächste Anruf, der Techniker stehe vorm Tor, warum wir nicht endlich aufschließen. Aber wir haben doch aufgeschlossen! Nein, hätten wir nicht. Doch! Nein! Vielleicht steht der Techniker am falschen Tor? Nein, wir hätten doch nur ein Tor. Nein, wir haben mehrere Tore. Nein, hätten wir nicht. Doch! Nein. Jetzt werde ich ausfallend und schnauze den Mann am anderen Ende der Leitung an, dass ich besser wissen müsste, wie viele Tore wir haben. Gut, gut, aber wir sollen endlich aufschließen. Eine Nachfrage bei demjenigen, der aufgeschlossen hat, ergibt: Es ist aufgeschlossen, aber ein Draht verhindert das Aufschwenken des Tores. So, so - Telekomtechniker sind also nicht in der Lage, einfache Drähte zu lösen. Wir lassen die Sache auf sich beruhen. Eine weitere halbe Stunde der nächste Anruf: Der Techniker stände nun am Farmhaus, dieses sei abgeschlossen. Wir mögen es doch bitte aufschließen. Wiederum ein Ausfall meinerseits, ob die Telekom denn glaube, dass wir hier nix zu tun hätten und ob sie wüssten, dass Tor und Farmhaus sechs Kilometer entfernt seien. Ja, ja schon gut, aber es  müsse jetzt jemand aufschließen. Gottergeben fahre ich los, um aufzuschließen. Da sowohl meine Sachen also auch die von Gästen im Farmhaus sind, muss ich dableiben, um aufzupassen. Das hätte ich vorher bedenken sollen, denn nun passiert Folgendes.
Der Techniker und sein Lakai machen sich am Steckbord des Telefons zu schaffen, ich setze mich auf die Couch. Der Techniker telefoniert mit dem Handy, steckt Anschlüsse um, tauscht das Bord, prüft das Farmhaus-Telefon, telefoniert wieder mit dem Handy, steckt Anschlüsse um, tauscht das Bord … Die erste halbe Stunde ist rum. Dann kommt der Lakai mit einer großen Rolle und legt ein Kabel vom Telefonmast außen nach drinnen zum Steckbord. Durch die Terrassentür. Ich frage mich, ob das ein neues Kabel sein soll, weil das alte kaputt ist. Und ob ich die beiden darauf hinweisen sollte, dass man das Kabel so nicht lassen könne, weil man ja dann die Terrassentür nicht mehr zubekomme. Ich schweige, zu oft ist mir Besserwisserei vorgeworfen worden. Wieder Gestecke und Geprüfe, die nächste halbe Stunde ist rum. Ob das denn ein neues Kabel sei, frage ich. Nein, das ist nur das Testkabel. Oha, gut, dass ich die Klappe gehalten habe. Auf ein Mal klingelt das Farmhaus-Telefon. Hurra, es geht! Nun muss natürlich ein richtiges Kabel vom Mast ins Farmhaus gelegt werden. Der Techniker und sein Lakai wickeln, klettern auf Leitern, stecken, prüfen - wunderbar. Das neue Kabel wird vom Mast zur Hauswand gelegt. Ob das denn sinnvoll ist, frage ich mich still. Was, wenn das Kabel erst zwischen Hauswand und Steckbord kaputt ist? Ich schweige, zu oft ist mir Besserwisserei vorgeworfen worden. Die Techniker packen ihre Sachen zusammen, der Obertechniker telefoniert privat (zumindest hört es sich so an, er lacht flirtend und spricht außerdem Nama), die nächste halbe Stunde ist rum. Zum Schluss (sic) wird das Telefon überprüft. Stille. Kopfschütteln. Schweigen. Vielleicht läge das Problem ja in den letzten Metern Kabeln, frage ich höflich. Ja, vielleicht. Könne sein. Möglich wär’s. Der Techniker und sein Lakai packen wieder aus, stecken am Bord, telefonieren mit der Zentrale, prüfen das Telefon. Und entwickeln das Testkabel. Ring!!! Das Farmhaus-Telefon klingelt. Aha, das Problem liegt auf den letzten Metern Kabel. Die nächste halbe Stunde vergeht mit dem Austausch auch dieses Abschnittes. Der Lakai räumt alles auf, der Techniker telefoniert wieder privat mit seinem Handy und ich sitze seit zwei Stunden dumm rum. Ich prüfe das Farmhaus-Telefon und rufe auf der Lodge an - es geht. Thomas will zurückrufen - das geht nicht. Mehr als genervt meldet er sich über das Funkgerät, ich möge endlich zurückkommen, auf der Lodge sei viel zu tun und was denn da überhaupt los sei. Den Rüffel gebe ich an den Telekomtechniker weiter, der mir in aller Seelenruhe erklärt, wir müssten jetzt noch bis 14 Uhr warten, damit die Zentrale wieder besetzt sei und man uns quasi freischalten würde.
Das Ganze hätte doch auch gut in Deutschland passieren können - nein?

Zu viel des Guten?

Bloged in Allgemein von Magdalena Freitag Juli 25, 2008

“Ich nehme meinen Löwen-Hut mit”, sagt Jacque und wir brechen mit sechs Gästen in den Etosha-Park auf. Der Hut musste am Ende des Tages umbenannt werden. Denn gestern war Elefanten-Tag. Zu Beginn allerdings war ich gleich zwei Kilometer nach dem Eingangstor völlig aus dem Häuschen, denn für einige Sekunden hatte ich endlich, endlich, endlich mein Ziel erreicht: eine Tüpfelhyäne zu sehen. Diese Tiere sind nicht hübsch, aber sehr aufregend und faszinierend. Wer mir nicht glaubt, kann ja anfangen zu recherchieren. Jacque jedenfalls bezeichnete meinen Freudenzustand relativ treffend als “Das ist ja wie beim Organismus.” (Wegen der Kinder, behauptet er jetzt gerade, als er meine Geschichte hier mitliest.) Keine zehn Minuten später kam die erste Elefantensichtigung. Zwei Bullen, die ganz nah an der Straße fraßen und später Richtung Horizont schlenderten. Mit der Prognose “viel besser kann es ja nicht werden” hat sich einer unserer Gäste verschätzt. Die nächsten drei Bullen kamen am Nebrowni-Wasserlauf sowie am Okaukuejo-Wasserloch. Machte acht Elefanten an drei verschiedenen Plätzen. Es gibt Tage, da sieht man keinen einzigen! Beim Rausfahren hielten wir kaum, denn die nächste große Herde war einen halben Kilometer entfernt und wir kaffeedurstig. Auf der schnurgeraden Straße vergrößerte sich der graue Block am Horizont zu einer zweiten Herde, die mitten auf der Straße stand. Jacque hielt in circa zwanzig Meter Abstand, denn es waren Kleine dabei. Dann sind Elefanten höchst vorsichtig und ziemlich angriffslustig. Wir standen, machten den Motor aus und waren noch vergnügter Dinge. Langsam allerdings gingen wir ins Flüstern über und verstummten schließlich ganz, denn die Herde bewegte sich auf der Straße auf uns zu! Ein paar gingen in die Büsche, ein paar beäugten uns sehr misstrauisch, ein Teenager stellten die Ohren auf und ging in Drohstellung über. Ich schwankte zwischen Begeisterung und Unwohlsein. Schlussendlich ging ein Teil der Herde in Armlänge entfernt an unserem Auto vorbei, einer davon steckte fast den Rüssel in den Wagen (der offen ist!). Puh, waren wir erleichtert, als wir die Tiere nur noch im Rückspiegel sahen. Das Erlebnis war sensationell, aber auch etwas beängstigend.

Der Stolz der Männer

Bloged in Allgemein von Magdalena Donnerstag Juli 10, 2008

“Magdalena, come over!” Sunny stand auf dem Rasen vor der Terrasse und schaute erwartungsvoll Richtung Büro. Was hat er denn nun wieder? Ich mache mich Richtung Rasen auf und stolz deutet Sunny vor sich auf den Rasen: “A snake!” Ah, prima, Schlangen seh ich gerne. Und da lag sie im Gras, mit einem ziemlich platten Kopf. Aber hier gibt es einige, die so aussehen. Also dachte ich im ersten Moment, das Tier lebt noch, und wollte Sunny gerade zum Stillstehen verdonnern, bevor ich sie erschlage. Aber irgendwie bekam ich dann doch mit, dass er das schon selbst erledigt hatte, unterhalb der Lodge bei der Arbeit an einem unserer Wagen. Voller Stolz hat er sie dann zu uns raufgetragen und mir präsentiert. Niedlich. Seinen alten Schlangenbiss an der Hand durfte ich dann auch noch bestaunen. Schließlich ging ich los, um das Schlangenbestimmungsbuch zu holen. Drei, vier Seiten später blickte ich ehrfürchtig auf das relativ kleine Schlangenexemplar (noch ein Baby) vor mir im Gras. Eine Puffotter. Das ist zwar nicht die giftigste, aber die gefährlichste Schlange hier, weil ihr nämlich die Bewegungsrezeptoren fehlen, durch die andere Schlangen vor dem Näherkommen gewarnt werden und verschwinden. Sprich, das Tier bleibt wo es ist bis du drauftrittst. Und dann sollte man zusehen, dass man zum Arzt kommt. Nicht immer ist so ein Biss tödlich, aber da es ein Gewebegift ist, das die Schlange dir einspritzt, kann dir hinterher der halbe Arm fehlen. Ich war also schwer beeindruckt, so ein Exemplar mal auf ungefährliche Art und Weise in Augenschein nehmen zu können. Ich habe daraus leider nur eins gelernt: Sie ist so gut getarnt, dass du im Gras kaum eine Chance hast, sie zu sehen, bevor du drauftrittst.

Der Dank dafür

Bloged in Allgemein von Magdalena Sonntag Juli 6, 2008

… ist ein dicker Finger. Ein bezaubernder dreijähriger Knirps wollte nach einem aufregendem Tag im Nationalpark mal seine Füßchen in den Pool hängen. Einzig ein doch etwas größeres Insektengetier hielt ihn davon ab. Da ich - außer bei Zecken - recht robust bin, eile ich also herbei und will das noch zappelnde Tier sanft aus dem Wasser heben, so sind Käfer und Knirps glücklich. Aber Pustekuchen - das Ungetüm hat Stacheln an den Beinen und kaum schiebe ich sanft meine Hand unter das Tier - im Wasser! - werde ich gestochen, Blut quillt, ich runzle die Stirn. Denn gestochen werden in Afrika macht mich nicht so glücklich, denn was weiß ich, was da vor mir im Wasser schwimmt. Aber es passierte nix weiter und ich vergesse den Vorfall. Heute, zwei Tage später, ist der Finger dick, heiß und juckt. Geschichten von gewebezersetzendem Gift fallen mir ein. Gut, von Schlangen, aber ein bisschen hypochondrieren darf ich wohl. Außerdem muss hier mal wieder ein Geschichtchen rein. Also bitte noch nicht die Gelben Engel rufen.

Staubiger Urlaub

Bloged in Allgemein von Magdalena Samstag Juni 28, 2008

Nach langen, staubigen 3000 km bin ich wieder zurück auf Naua Naua. Torsten und ich sind mit einem kleinen VW Chico (Golf-artig) durch Namibia gekurvt, geholpert, gerast und geschleudert. Es war wunderschön, Namibias Landschaften atemberaubend. Dass unser kleiner Wagen all die rumpeligen, ausgewaschenen und Schotter-bedeckten Pads (Afrikaans für alle Arten von Straßen, also auch Feldwege) ohne die geringste Macke oder auch nur einen Platten überstanden hat, ist noch fast die größte Sensation der Tour. Von Windhoek aus sind wir nach Sesriem Canyon und den roten Kalahari-Dünen bei Sossusvlei aufgebrochen, danach ging es in das Küstenstädchen Swakopmund. Weiter entlang der Skelettküste nach Palmwag im ganz unbeschreiblich schönen Damaraland. Und endlich hoppelten wir den Epupa-Fällen im Norden entgegen. Die letzten Tage haben wir auf der Lodge beziehungsweise im Etosha-Nationalpark verbracht. Dabei haben wir nicht nur fast Giraffen überfahren, weil sie direkt auf der Straße standen und sich durch unser Auto keineswegs gestört fühlten, sondern auch Löwen beim Kinderzeugen zugesehen. Davon war Torsten natürlich am meisten fasziniert -und es stimmt tatsächlich: alle zwanzig Minuten. Ich habe auf die Uhr geschaut. Ein Eindruck blieb auf allen Streckenabschnitten, nämlich der des Staubs. Als wir den Wagen übernommen haben, sah er aus wie neu, ungelogen. Selbst der “Maschinenraum”, den ich natürlich gründlich unter die Lupe genommen habe. Am Ende der Tour allerdings konnte man auf den Polstern die Abdrücke unserer Rucksäcke sehen und bekam jedesmal eine Staublunge, sobald man nur die Tür aufmachte. Die Einheimischen versichern mir alle, die Autovermieter seien solche Autos bei der Rückgabe gewohnt, aber ich fürchte  noch immer, wir werden für die Säuberung zur Kasse gebeten. Morgen gibt Torsten den Wagen ab. Er verbringt das Finale über den Wolken - bitte jetzt Mitleid haben!

Trampen

Bloged in Allgemein von Magdalena Samstag Juni 14, 2008

Ich bin das erste Mal getrampt. Zwar ohne Daumen raushalten, denn dann kann ja Hinz und Kunz halten, aber doch habe ich mir eine vorher nicht abgesprochene oder oeffentlich organisierte Mitfahrgelegenheit gesucht. Ich musste heute von der Lodge bis nach Windhoek und habe das Ganze in drei Schritten absolviert. Erst mal mit einem unserer Wagen bis Outjo, um ihn dort bei der Werkstatt abzugeben. Dann kam circa eine halbe Stunde spaeter ein Gruppe Gaeste nach, die mich von Outjo bis nach Otjiwarongo geschippert haben (das sparte das Taxi). Dann sah der Plan eine Busfahrt vor. Die Busse sind hier natuerlich nicht vom kommunalen Verkehrsverbund, sondern von Privatunternehmen. Es gibt keinen Fahrplan und wo sie abfahren wusste ich auch nur ungefaehr. Naemlich an einer Tankstelle. Als ich dort mit meinem grossen Rucksack ankam, scharrten sich natuerlich gleich “Vermittler” um mich, die mir eine Fahrgelegenheit organisieren wollten. Viele davon waren aber “small cars”, also noch privater als die Busse und nur mit zwei, drei Leuten drin. Die Legenden um diese small cars sind genauso blutruenstig wie sich die ganze Sache anhoert. Das musste ich dann doch nicht riskieren, also bestand ich auf einem Bus. Die Stunden vergingen, ich wechselte die Tankstelle, jedoch ohne Erfolg. Endlich bekam ich eine Bus bzw. Mini-Van zu Gesicht, aber der war so voll, dass mich selbst die enge-geprueften Afrikaner nicht mitnehmen wollten. Ich wurde so langsam leidlich nervoes, denn ich wollte im Hellen in Windhoek ankommen. Also fragte ich zum zweiten Mal bei einem der Tourbusse an. Der erste hatte abgelehnt, weil er Aerger vom Chef befuerchtete (falls sich hinterher einer der Gaeste beschwert haette). Der zweite jedoch sagte: Wenn meine Gaeste nix dagegen haben. Und schwupp, fuhr ich mit zehn Tschechen gen Windhoek. War ich erleichtert!! Manchmal kommt man naemlich gar  nicht weg, wenn man auf einen “Lift” wartet und dann haette ich die Nacht in Otjiwarongo zubringen muessen. Bis auf den Kaffee fuer den Guide haben mich die ganzen 420 km nichts gekostet. Daran koennte ich mich gewoehnen …

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